Nach oben

Schufa - wenn Unternehmen mit
einem Eintrag drohen

Schufa wenn Unternehmen mit einem Eintrag drohen

Wer einen Vertrag abschließt, der verpflichtet sich durch seine Unterschrift dazu, ihn mit allen sich daraus ergebenden Rechten und Pflichten einzuhalten. Tut er das nicht, dann handelt es sich um einen Vertragsverstoß.

Das ist beispielsweise der Fall, wenn für den Mobilfunkvertrag oder für den Kreditvertrag die vereinbarten Monatsraten nicht, verspätet oder nur teilweise bezahlt werden. Der Gläubiger, also der Mobilfunkhändler oder das Kreditinstitut, hat einen Anspruch auf Vertragserfüllung, sprich auf die vertragliche Bezahlung. Die kann er mit einem Mahnverfahren und dem sich anschließenden Gerichtsurteil problemlos durchsetzen.

Doch das kostet Zeit und Geld. Abgesehen davon wird der zahlungssäumige Schuldner bis dahin, also auch in den nächsten Monaten, die fälligen Raten nicht bezahlen. In dieser Situation drohen die Firmen als Gläubiger mit einer Negativeintragung in der Schufa, in der Datenbank der privaten Wirtschaftsauskunftei „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“. Ob das so seine Richtigkeit hat, und welche Auswirkungen das für den Schuldner haben kann, wird anhand dieses Beispiels mit einem Mobilfunkvertrag deutlich gemacht.

Mit der Schufa-Klausel wird alles abgesegnet


Der Kunde hat vor geraumer Zeit einen zweijährigen Vertrag mit dem Mobilfunkanbieter abgeschlossen. Der Vertrag beinhaltet auch die sogenannte „Schufa-Klausel“. Mit deren Unterzeichnung erklärt der Verbraucher seine Zustimmung dazu, dass der Mobilfunkprovider zur Bonitätsprüfung die Schufa-Datenbank einsehen darf, und dass der anschließend abgeschlossene Mobilfunkvertrag als Information dort eingetragen wird. Zu diesem Zeitpunkt wird jedoch nicht darüber gesprochen, dass mit der "Schufa-Klausel" auch zukünftige Eintragungen zu diesem Vertrag, gleich welcher Art, sozusagen „abgesegnet sind“. Das steht zwar drin, wird als Kleingedrucktes jedoch so gut wie nie gelesen und auch nicht erwähnt.

Das Nichtbezahlen der Vertragsrate ist ein vertragswidriges Verhalten. Der Mobilfunkanbieter möchte auf die Einnahme nicht verzichten, sondern er besteht auf Vertragserfüllung. Er schickt dem Kunden eine erste Mahnung. Wenn der daraufhin nicht zahlt, dann folgt eine zweite Mahnung. Darin wird der Schuldner darüber informiert, dass sein vertragswidriges Verhalten der Schufa gemeldet und „in seiner Schufa“ eingetragen wird. Damit ist gemeint, dass die Zahlungssäumigkeit als ein Verstoß zu diesem Mobilfunkvertrag in der Schufa-Datenbank eingetragen wird.

Eine solche Negativeintragung hat direkte Auswirkungen auf den Schufa-Score


Der ist das rechnerische Ergebnis aller personenbezogenen Eintragungen in der Schufa-Datenbank für den einzelnen Verbraucher. Der Score wird in Prozentpunkten ausgedrückt, die theoretische Höchstzahl sind hundert Prozent. Je niedriger der Score ist, um schlechter ist die Bonität. Wenn der Betreffende bei einem anderen Provider einen neuen Mobilfunkvertrag abschließen möchte, dann muss er ebenfalls wieder die "Schufa-Klausel" unterzeichnen. Ein Blick „in seine Schufa“ zeigt dem Anbieter einen schwachen Schufa-Score. Darüber hinaus wird die Zahlungssäumigkeit bei dem schon bestehenden Vertrag angezeigt. Wie es heißt, wird die Geschäftsverbindung abgelehnt, weil es sich um einen Risikokunden handelt. Das sieht nicht nur der Mobilfunkanbieter so, sondern alle anderen Geschäftspartner der Schufa auch.

Zu denen gehören Banken und Sparkassen, Versandhäuser, Leasinggesellschaften sowie alle Telekommunikationsgesellschaften mit Festnetz, Internet und Mobilfunk. Eine einzige Negativeintragung kann dem Verbraucher auf Jahre hinaus die Teilhabe am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben buchstäblich schwer bis hin zu unmöglich machen. Dem Mobilfunkanbieter als Gläubiger ist diese Situation bekannt. Er möchte mit der „Schufa-Drohung“ erreichen, dass seine Forderung beglichen wird. Nur daran ist er interessiert. Mit einem Anschlussvertrag kann der Kunde ohnehin nicht mehr rechnen.

Ab jetzt übernehmen die Inkassounternehmen


Oftmals übergeben oder verkaufen die Gläubiger ihre Forderung an ein Inkassounternehmen, auch Inkassobüro genannt. Diese Dienstleister „leben davon“, offene Forderungen bei säumigen Schuldnern einzutreiben. Dazu nutzen sie alle rechtlichen Möglichkeiten, und auch sie „drohen gerne mit der Schufa“. Zusätzlich zu der offenen Forderung, in diesem Falle mehrerer Monatsraten für den Mobilfunkvertrag, stellen sie dem Schuldner ihre eigenen Kosten im oftmals dreistelligen Eurobereich in Rechnung.

Doch bis zur Eintragung in die Schufa-Datenbank ist es noch ein weiter Weg, den der Mobilfunkkunde direkt und aktiv beeinflussen kann. In Deutschland sind das Speichern, das Sichern und das Löschen von personenbezogenen Daten gesetzlich sehr klar geregelt. In diesem Falle ist § 28a Bundesdatenschutzgesetz, kurz BDSG, die Rechtsgrundlage, an die sich sowohl der Mobilfunkanbieter als auch das Inkassobüro halten muss. In diesem Paragraphen ist die Datenübermittlung an Auskunfteien geregelt, also auch an die Schufa. Zu den Voraussetzungen dafür, ein Zahlungsversäumnis als Vertragsverstoß eintragen zu dürfen, gehört im Wesentlichen, dass der Betroffene


  • als Schuldner die Forderung ausdrücklich anerkannt hat
  • nach Eintritt der Fälligkeit mindestens zweimal schriftlich gemahnt worden ist
  • rechtzeitig, jedoch frühestens mit der ersten Mahnung über die Schufa-Übermittlung informiert worden ist
  • als Schuldner die Forderung nicht bestritten hat

Kontakt mit den Gläubiger
kann unter Umständen sehr hilfreich sein


Für den Schuldner als Vertragspartner ist es am allerwichtigsten, auf Mahnungen zu reagieren. Sicherlich gibt es angenehmere Briefe und Schreiben als Mahnungen zu offenen Forderungen. In diesem Falle jedoch muss darauf geantwortet werden, und zwar schriftlich per Einwurf-, per Übergabe-Einschreiben oder per Einschreiben-Rückschein. Der Brief kann kurz und knapp gehalten sein. Er muss jedoch die Worte enthalten „… dass die angemahnte Forderung bestritten wird …“. Damit ist sichergestellt, dass weder der Gläubiger noch das von ihm beauftragte Inkassobüro den Zahlungsverzug in die Schufa-Datenbank eintragen lassen darf. Das hat nichts mit der anschließenden, separaten Prüfung und Entscheidung zu tun, ob die Forderung berechtigt ist. Der Verbraucher hat jedoch erreicht, dass „seine Schufa“ zu diesem Zeitpunkt nicht durch eine Negativeintragung zusätzlich belastet wird.

In einem rechtskräftigen Urteil aus dem ersten Quartal 2015 hat der Bundesgerichtshof BGH klar definiert, was Gläubiger in dieser Situation dürfen, und was nicht. Die Formulierung in der Mahnung darf beim Schuldner nicht als Drohung rüberkommen, oder gar als Junktim nach dem Motto: Wenn Du nicht zahlst, dann droht Dir eine negative Schufa mit noch negativeren Folgen. Ein Zahlungsversäumnis darf nur dann der Schufa gemeldet werden, wenn die Forderung unbestritten ist. Diese Formulierung in dem Mahnschreiben kann im genauen Wortlaut ausschlaggebend dafür sein, ob es sich um eine unberechtigte Nötigung des Schuldners handelt, oder um eine gerechtfertigte Schufa-Meldung.

Der zahlungssäumige Mobilfunkkunde muss trennen in


  • Schufa-Eintragung
  • Vertragserfüllung

Es hat sich immer wieder als gut und richtig erwiesen, dass der Schuldner mit dem Gläubiger kommuniziert. Dazu müssen keineswegs beide Seiten immer einer Meinung sein. Hilfreich ist es, schon auf die erste Mahnung zu antworten und die Forderung zu bestreiten. Damit ist auf jeden Fall eine negative Schufa-Eintragung solange verhindert, „bis die Angelegenheit erledigt ist“. Der Kunde hat jetzt die Gelegenheit und auch die notwendige Zeit, um sich mit dem Gläubiger auseinanderzusetzen. Ihm entstehen zu diesem Zeitpunkt Kosten von etwa 3 EUR für den Brief, den er per per Einschreiben verschickt.

Auch der säumige Kunde ist nach wie vor ein gleichberechtigter Vertragspartner.


Es gibt viele und gute persönliche Gründe, aus denen sich Zahlungsprobleme ergeben können. Der Gesetzgeber schützt den Verbraucher dadurch, dass im § 28a BDSG klar und recht eng formuliert ist, unter welchen Voraussetzungen Schufa-Meldungen zulässig sind. Vom Verbraucher wird allerdings erwartet, dass er sich als unmittelbar Betroffener im wahrsten Sinne des Wortes rührt. Er muss sein Recht aktiv wahrnehmen. In diesem Falle einer „Schufa-Drohung“ ist ein kurzer Brief ausreichend mit dem Inhalt, dass die Forderung bestritten wird. Für den Gläubiger ist sie dann ab sofort nicht mehr unstreitig. Darüber hinaus hat der Schuldner ausdrücklich kundgetan, dass er die Forderung nicht anerkennt. Besser und deutlicher geht es nicht!

Aufgrund dieses aktuellen und rechtskräftigen Urteils des Bundesgerichtshofes sehen sich umgekehrt die Gläubiger dazu veranlasst, ihre Mahnschreiben richtig und gesetzeskonform zu formulieren. Sie müssen damit rechnen, dass sich der Verbraucher an einen Anwalt seines Vertrauens, oder an eine der Verbraucherzentralen wendet. Spätestens dort wird der Wortlaut des Mahnschreibens „genau unter die Lupe genommen“. Mahnungen werden erfahrungsgemäß der Einfachheit halber aus mehreren Textbausteinen zusammengesetzt, nicht selten „zusammengestoppelt“. Solche Nachlässigkeiten sollte sich der Verbraucher zunutze machen, indem er die Mahnung juristisch prüfen lässt – oder die Forderung frühzeitig bestreitet.


Mehr zum Thema SCHUFA:

* Sollzinssatz ab 4,83% (bonitätsabhängig) fest für die gesamte Laufzeit, Effektiver Jahreszins: 4,90% - 15,99%, Nettokreditbetrag: 1.000 - 100.000 Euro, Vertragslaufzeit: 12 - 120 Monate. Repräsentatives Beispiel: Sollzinssatz 7,98% fest für die gesamte Laufzeit, Effektiver Jahreszins: 8,92%, Nettokreditbetrag: 10.000 Euro, Vertragslaufzeit: 72 Monate